29. Januar 2010   |   Abgelegt in Henrik Eberle   |   Keine Kommentare »   |   


Das offizielle Sachbuch zu Dan Browns Bestseller

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Zeichen, Ziffern, Zusammenhänge – welche Wahrheiten stecken hinter Dan Browns neuem Bestseller?

Weltweit haben viele Millionen Leser sehnsüchtig auf Dan Browns neuen Roman gewartet. Der Inhalt von Das verlorene Symbol war bis zur Veröffentlichung eines der am besten gehüteten Geheimnisse in der Geschichte der Unterhaltungsliteratur. Inzwischen ist klar: Dan Brown führt Robert Langdon in die Welt der Washingtoner Freimaurer und der sogenannten Noetischen Wissenschaft. Was hat es damit auf sich? Auf welche Fakten, Mythen und Legenden greift Dan Brown zurück? Was hat er hinzuerfunden? Henrik Eberle liefert die Antworten. Er führt ein in die Wissenschaft vor der Wissenschaft, erklärt die Rituale der Freimaurer, macht mit den amerikanischen Gründungsmythen bekannt – und bringt damit gemäß dem Freimaurermotto Ordo ab Chao Ordnung ins Chaos der über tausend Jahre alten Theorien.

Das einzig offizielle Sachbuch zu Dan Browns neuem Bestseller ist seit dem 16.01.2010 im Handel erhältlich.

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12. Oktober 2009   |   Abgelegt in Henrik Eberle   |   Keine Kommentare »   |   


Das Ritual und das Chaos

Henrik Eberle, Historiker und Autor des Sachbuchs zu DAS VERLORENE SYMBOL

Henrik Eberle, Historiker und Autor des Sachbuchs zu DAS VERLORENE SYMBOL


Zurück zur Leseprobe: Dan Brown führt den Leser in den Tempel des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus. Aber im Gegensatz zu dem, was von Verschwörungstheoretikern oft vermutet wird, ist dieser Ritus zwar der populärste, aber keineswegs der einzige. Denn die Freimaurerei kannte damals – und kennt bis heute – keine verbindliche Doktrin. So weisen viele Hinweise darauf hin, dass George Washington den York-Ritus pflegte. Außerdem gab es zu seiner Zeit noch keine starren Hierarchien. Aber es ist möglich, dass es in den Logen, die Washington frequentierte, bereits festgelegte Aufnahmerituale gab. Bei ihnen spielte der sogenannte „Fürchterliche Bruder“ eine wichtige Rolle. Zu seinen Aufgaben gehörte es, das neue, bei der Zeremonie halbnackte und blinde Mitglied während des Aufnahmeritus zu betreuen oder zu ängstigen. Man beachte: Die Augenbinde wurde erst nach dem Gang durch ein Labyrinth von Treppen gelüftet, wenn sich der Kandidat plötzlich vermummten Männern mit gezückten Degen, mit einem geöffneten Sarg und Totenschädeln konfrontiert sah. Der Schockeffekt war gewollt und zielte auf jene ab, die nie ein Schlachtfeld gesehen hatten. Der Event signalisiert: Wissen und Weisheit sind nur für einen bestimmten Preis zu haben. Zugleich erinnert das Ritual an die Toten, die für eine gerechte Sache gefallen sind.
Jeder ahnt es: Der Mann, der in der Leseprobe das Ritual durchläuft und in die Bruderschaft aufgenommen wird, ist ein Schurke. Die Maske des Bösewichts ist offenbar die des Ehrenmannes, des wohltätigen, nach Vernunft suchenden Freimaurers. Man verrät nicht zuviel, wenn man zugibt, dass noch andere Personen im Buch den Leitspruch des Schottischen Ritus folgen: „Ordo ab chao“. Aber Historiker wissen: Ordnung ist das Muster, das man später in das Chaos webt. Die klassischen Physiker sehen das anders. Sie scheinen zu wissen, dass es kein Chaos gibt, sondern nur zu wenige Informationen. Moderne Physiker glauben, dass das Chaos eigene Regeln hat; ihrer Auffassung nach kommt es nur darauf an, sie zu erkennen.
Von George Washington zur Chaostheorie – man darf gespannt sein.

05. Oktober 2009   |   Abgelegt in Henrik Eberle   |   Keine Kommentare »   |   


Boas und Jachin

Henrik Eberle

Henrik Eberle, Historiker und Autor des Sachbuchs zu DAS VERLORENE SYMBOL


Der Tempel in der 16th Street, das Jefferson Monument, das Capitol und zahllose andere Bauten in Washington haben eines gemeinsam: Säulen. Sicher: Auch die Römer und Griechen bauten so, und im 19. Jahrhundert galt das als modern. Oder, um Asterix zu zitieren: „Obelix! Man muss mit der Zeit gehen und antik sein.“
Der klassizistische Stil der amerikanischen Architektur unterscheidet sich jedoch vom deutschen oder italienischen. Er wirkt auf europäische Touristen imperial und pathetisch, insgesamt überdimensioniert. Der Grund dafür sind die monumentalen Säulenhallen, die nahezu jedes öffentliche Gebäude kennzeichnen. Hinter ihnen befindet sich dann ein oft kleinteiliger Zweckbau mit verschachtelten Treppenhäusern und schmalen Korridoren, in den sich der Antragsteller oder Ratsuchende verläuft.
Der Gedanke ist erlaubt, dass der häufige Gebrauch von Säulen aller Art in der amerikanischen Architektur eine tiefere Bedeutung hat. Wurde der amerikanische nationale Stil tatsächlich von Freimaurern geprägt – und die Biografien von Thornton, Pope und anderen sprechen dafür –, dann sollte man über eine Verbindung von freimaurerischem Denken und architektonischer Form nachdenken. Wenn öffentliche Gebäude nicht nur Zweckbauten sein, sondern etwas ausstrahlen sollten, liegt wiederum der Gedanke nahe, den Blick auf die Inhalte freimaurerischer Rituale zu lenken. Viele wenns, aber falls man den Gedankengang zulässt, ist der Weg zum Tempel Salomos nicht weit. Denn er ist für die Freimaurer das Muster, an dem sich alle anderen Bauten messen lassen müssen.
Zum festen Kanon freimaurerischer Arbeit gehört das Nachdenken über den Tempelbau über den es im 1. Buch der Könige heißt: „Und er richtete die Säulen auf vor der Vorhalle des Tempels; die er zur rechten Hand setzte, nannte er Jachin, und die er zur linken Hand setzte, nannte er Boas.“ Jeder kann es selbst überprüfen: Es gibt keine Freimaurerloge, deren Eingang nicht von Säulen geschmückt ist. Stehen die Säulen dort, wo sie nur Freimaurer sehen können, sind sie meist mit Granatäpfeln, dem Symbol der Fruchtbarkeit, geschmückt.
Auch im eigentlichen Altarraum selbst stehen mindestens drei Säulen; sie symbolisieren die „kleinen Lichter“, also Weisheit, Stärke und Schönheit.

28. September 2009   |   Abgelegt in Henrik Eberle   |   Keine Kommentare »   |   


Der Washington-Kult

Von Henrik Eberle

Einen zentralen Punkt im freimaurerischen Stadtplan Washingtons bildet das Capitol, der Sitz des Kongresses. Hier wird Robert Langdon erwartet, und hier wird er einen grausigen Fund machen. Und selbstverständlich stößt er bei der Auflösung des Falls auf weitere Symbole der Freimaurer. Das verwundert nicht, war das Gebäude doch ursprünglich als Herberge für die versammelte Weisheit des Volkes gedacht – so definierte man damals Demokratie. Ob das amerikanische Parlament diesem Anspruch gerecht wurde, sei dahingestellt. Der heutige Tourist bemerkt allerdings kaum noch etwas von der schlichten Würde des ursprünglichen Entwurfs. An den Wänden der Rotunde wird die amerikanische Geschichte in grässlichen Monumentalgemälden verherrlicht und in der Kuppel darüber befindet sich ein kolossales Kitschbild, das George Washington im Kreise von 13 Jungfrauen zeigt. Er selbst ist in königliches Rot gewandet, zu seinen Seiten schweben die Göttinnen des Sieges und der Freiheit. Washington im Himmel? Er selbst hätte die Vorstellung absurd gefunden, duldete er selbst in seinem Sterbezimmer doch nicht einmal einen Priester.
Zur Entschuldigung für Washington sei erklärt, dass er bereits 1799 starb, das Gemälde erst 1865 gemalt wurde. Sein Schöpfer war Constantino Brumidi, ein Italiener, der ursprünglich im Vatikan beschäftigt war. In den Revolutionswirren von 1848 hatte es ihn nach Mexiko verschlagen, dann in die USA. Ein General, der für den Ausbau der Infrastruktur der Stadt zuständig war und nebenbei den Innenausbau des Capitols überwachte, stellte ihn ein, weil ihm die pompösen Gemälde des gelernten Kirchenmalers gefielen.
George Washington hätten sie vermutlich eher missfallen, was die noch heute erhaltene, sehr geschmackvolle Ausstattung seines Landhauses vermuten lässt. Und im Hinblick auf das Capitol war der Architekt seines Vertrauens, das verblüfft nicht, ein Freimaurer, ein für das 18. Jahrhundert typischer Universalgelehrter: William Thornton. Geboren wurde dieser auf der Karibikinsel Tortola, seine Ausbildung erhielt er in England. Thornton arbeitete als Arzt und Apotheker, konstruierte in Edinburgh eine Camera Obscura und malte. Er war mit Benjamin Franklin, dem Diplomaten und Erfinder des Blitzableiters, befreundet und machte während der Revolutionswirren die Bekanntschaft George Washingtons. Gemeinsam mit ihm und Pierre L’Enfant arbeitete er später am Stadtplan für die Bundeshauptstadt. Dabei gewann sein Entwurf für das Capitol den ersten Preis – es zeichnet sich in der Tat durch eine schlichte Würde aus. Für welche Zeichen und Symbole Thornton verantwortlich zeichnete, sei jedoch noch nicht verraten.

21. September 2009   |   Abgelegt in Henrik Eberle   |   Keine Kommentare »   |   


„Gott sagte, es werde Licht …

… und es ward Licht.“ Nicht nur erhellt endlich das englische Manuskript, worum es im neuen Dan Brown geht. Nein, diese Inschrift findet sich auch auf dem Altar, dessen Standort uns Dan Brown im ersten Kapitel seines Buches mitteilt. Es ist der Tempel des Alten und Angenommen Schottischen Ritus in Washington, D. C., Sechzehnte Straße NW, Nr. 1733. Zugleich erfahren wir, dass dieser Bau die Nachbildung „eines vorchristlichen Heiligtums, des Tempels König Mausolos II.“ sein soll. Jede Nische, jeder Raum habe eine symbolische Bedeutung, sein eigenes Geheimnis. Das klingt geheimnisvoll und war es sicher auch. Heute bieten die Mitglieder des Schottischen Ritus jedoch Führungen an, und im Netz gibt es sogar eine virtuelle Tour. Teilnehmen an einem Ritual dürfen Uneingeweihte allerdings nicht. Bei der „maurerischen Arbeit“ bleibt der Tempel für Nichtmitglieder geschlossen. Und so bleibt auch Dan Brown bei der Schilderung des Initiationsritus für den 33. Grad etwas vage.

Obwohl sich der Architekt John Russel Pope sicher von diesem inspirieren ließ, ist zudem auch die Behauptung ungenau, der Tempel sei eine genaue Nachbildung des Grabmals für Mausolos II. Türkeireisende kennen das Grabmal übrigens, seine Reste kann man in der Touristenhochburg Bodrum, dem antiken Halikarnassos, besichtigen. Verwüstet wurde die gigantische Grabanlage im 14. Jahrhundert von Kreuzrittern – sie brauchten die Steine für den Bau einer Burg. Ein britischer Archäologe ließ die Reste 1856 ausgraben und die wertvollen Funde nach London bringen.

Die Bauarbeiten für den Washingtoner Tempel begannen 1911, aus gutem Grund an genau diesem Platz, denn die 16th Street führt vom Weißen Haus nach Norden und bildet mit dem Washington Monument eine Linie. Auf dem anderen Schenkel des freimaurerischen Winkels findet sich das Capitol. Auch das Datum der Grundsteinlegung war nicht zufällig: Exakt 130 Jahre zuvor, am 18. Oktober 1781, kapitulierte die britische Armee bei Yorktown. Der Unabhängigkeitskrieg war entschieden. Kommandierender General auf amerikanischer Seite in dieser entscheidenden Schlacht des Bürgerkriegs war George Washington.
Warum der 36-jährige Architekt John Russel Pope den Auftrag bekam, wissen wir nicht. Aber man darf ruhig davon ausgehen, dass er Freimaurer war und einen hohen Rang in der Hierarchie des Schottischen Ritus innehatte. Für ihn bedeutete der Entwurf, den Zeitgenossen ein „anbetungswürdiges“ Bauwerk von „kraftvoller Würde“ nannten, zum Durchbruch. Pope leitete in der Folge den Umbau der Nationalgalerie, war Architekt des National Archivs und legte die ersten Entwürfe für das Jefferson Memorial vor. Auftraggeber für diese Bauten war Franklin Delano Roosevelt, ein Freimaurer.

09. September 2009   |   Abgelegt in Henrik Eberle   |   Keine Kommentare »   |   


Das “Verlorene Symbol”: Eine Theorie

von Henrik Eberle

Zumindest in der westlichen Welt sind die politischen Ideale der historischen Freimauer inzwischen akzeptiert: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Im 19. Jahrhundert war die Stimmung eine andere. Die katholische Kirche erklärte die Freimaurerei zur Gefahr, zur „permanenten Personifizierung der Revolution“ – so jedenfalls formulierte es Leo XIII. in der Enzyklika Humanum genus 1884. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht, forderte doch Albert Pike, der amerikanische Großkommandeur, von den hohen Graden seines Ritus, dass sie gewillt sind, zu zerstören, „aber nicht rücksichtslos“. Denn die neue Weltordnung müsse aus den Trümmern der alten erbaut werden. Er schwor die Kandidaten auf politische Ziele ein, die „es in den Staub zu treten“ galt: „Die Kronen der Könige und die Tiara der Päpste.“
Sollte der Harvard-Professor Robert Langdon den Spuren Albert Pikes folgen, hat Dan Brown eine hochinteressante Persönlichkeit ins Zentrum seines neuen Romans gestellt. Pike war nicht nur Souveräner Großkommandeur des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus der Freimaurerei, sondern auch General der Südstaatenarmee und (angeblich) ein Gründer des Klu-Klux-Klan. Sein Buch Moral und Dogma (1872) prägte die Geistesgeschichte der USA maßgeblich. Eine umstrittenere Figur als einen solchen Ideologen hätte Dan Brown sich nicht aussuchen können.

Doch zurück zum Titel des Thrillers: Das verlorene Symbol. Dan Brown hat in den vergangenen Wochen eine Reihe von Fährten gelegt, die neugierig machen. Fest steht, so scheint es, es geht um die Freimauer und die Hauptstadt der USA, Washington, D. C. Der Hinweis auf den verschwundenen Grundstein des Capitols ist wahrscheinlich eine falsche Fährte. Denn die Symbolik des Parlamentsgebäudes ist wohl nicht stark genug, um über mehrere Hundert Seiten zu faszinieren. Albert Pike hingegen, über den die heutigen Freimaurer nur hinter vorgehaltener Hand sprechen, liefert Material für Verschwörungstheorien aller Art.

Den Schlüssel zum „Verlorenen Symbol“ liefert vermutlich die Symbolik der Freimaurer selbst. Denn die Freimaurer – ganz gleich, welchem Ritus sie angehören – kennen bei ihrem Weg der „Erleuchtung“ große und kleine Symbole: die großen und kleinen Lichter. Die Symbole Zirkel und Winkelmaß sind zwei der großen Lichter. Der Zirkel steht für Liebe und Menschlichkeit, verankert im Herzen des Freimaurers. Das Winkelmaß, das stets vom Stuhlmeister getragen wird, ist das Zeichen für Gewissenhaftigkeit, das Gewissen überhaupt. Übertragen steht es für die Gerechtigkeit.

Ein Symbol aber fehlt in allen Hinweisen, die Dan Brown zum Inhalt seines Buches ausgestreut hat. Das ist plausibel, denn zu viel möchten Dan Brown und sein amerikanischer Verlag sicher nicht verraten.
Doch das Rätsel ist unschwer zu lösen. Es fehlt der Verweis auf das dritte große Licht, die Bibel. Sie liegt bei jeder Ritualhandlung der Freimaurer auf dem Tisch des Meisters, dem „Altar“ der Loge. Daher ist sehr wahrscheinlich, dass Dan Browns Verlorenes Symbol wieder einmal um die Geheimnisse der Bibel kreist. Vielleicht ist es sogar eine ganz konkrete Bibel: die der St Johns Lodge Nr. 1 in New York. Auf sie schwor nicht nur George Washington seinen Eid als Präsident. Auch Abraham Lincoln und George Bush legten ihren Eid auf diese Bibel ab. Ist sie verschwunden? Ist sie das verlorene Nationalsymbol? Oder steht in dieser Bibel etwas, das heute nicht mehr in den Einheitsübersetzungen zu finden ist?

Am 15. September wissen wir mehr …

31. August 2009   |   Abgelegt in Henrik Eberle   |   Keine Kommentare »   |   


Die Freimaurer: Eine uralte Bruderschaft?

Von Henrik Eberle

Alles scheint auf das Thema Freimaurerei hinauszulaufen. Worauf aber gründet sich ihr bis heute andauernder Mythos? Die Freimaurer glaubten an ein uraltes Wissen, das Gott an seinen ersten Menschen – Adam – und dieser an Eingeweihte weitergab. Adam war, so behaupteten es Freimaurer im 18. Jahrhundert, der erste Logenmeister. Und auch nach ihm soll es Wissende gegeben haben, Noahs Sohn zum Beispiel. Ohne ihn wäre das Wissen des Großen Allgemeinen Baumeisters aller Welten, ein Stück vom Wissen Gottes also, in der Sintflut buchstäblich untergegangen.

Wie das Wissen später dennoch verloren ging, verrät die Legende von Hiram Abif, dem Hofarchitekten des Königs Salomo. Ihr zufolge ist ein Streit beim Bau des Tempels in Jerusalem (ungefähr zu datieren auf 988 v. Chr.) die Ursache allen Übels. Drei Gesellen verlangten von Hiram, vorzeitig den Grad eines Meisters zu erhalten. Doch Hiram verschwieg ihnen das Meisterwort und die heiligen Erkennungszeichen, weshalb ihn die Gesellen töteten und an einem abgelegenen Ort vergruben. Salomo ließ die Leiche suchen und in der Loge (der Bauhütte) am Tempel bestatten. Dann rächte er den Baumeister und setzte selbst den Schlussstein seines Baus. Seither suchen die Maurer nach dem „Meisterwort“, für dessen Geheimhaltung sich ihr Meister aufopferte.

Aufgekommen ist die Erzählung in England – vor allem bei den oft freiberuflich tätigen Baumeistern der großen Kathedralen. Sie verbreitete sich als Mysterium und als politisch aufgeladene Story, denn man lebte in unruhigen Zeiten. Die Legende wurde umgeformt, geknetet und gedeutet. Und sie wirkte konstituierend auf eine Bewegung, die schließlich im 18. Jahrhundert feste Formen und Rituale annahm: die freien Maurer, die Freimaurer. Die meisten von ihnen sehen sich als suchende Schüler, andere aber als wissende Erben des Meisters.

Mit den Kolonisten erreichte diese Bewegung Nordamerika. Und schon am 31. Mai 1801 wurde dem Alten und Angenommenen Schottischen Ritus der Freimaurer die Eigenständigkeit zugesprochen, inklusive einer eigenen Gerichtsbarkeit und einer autonomen Führung durch einen Souveränen Großkommandeur. Als besonderer Mann auf diesem Posten sollte sich Jahre später Albert Pike (1809–1891) erweisen – eine überaus dubiose Figur von erstaunlicher Belesenheit und überragenden organisatorischen Fähigkeiten.

Welche Rolle hat Dan Brown ihm in seinem neuen Thriller zugedacht?

25. August 2009   |   Abgelegt in Henrik Eberle   |   Keine Kommentare »   |   


Der Grundstein für die „Neue Weltordnung“

Von Henrik Eberle

Neben der 33 und dem Dreieck zeigt der amerikanische Buchumschlag auch das Capitol. Was es mit ihm auf sich hat? Ganz einfach: Ein neuer Staat braucht eine neue Hauptstadt, das stand für die amerikanischen Gründungsväter fest. Es galt, die Residenz des Präsidenten (das heutige Weiße Haus) und das Parlamentsgebäude, den Sitz des Kongresses, hervorzuheben. Der Rest der Stadt sollte Weisheit, Schönheit und Stärke ausstrahlen. George Washington, erster Präsident der USA und überzeugter Freimaurer, beauftragte daher einen Freund und Bundesbruder mit der Planung der neuen Stadt: Pierre Charles L’Enfant, einen französischen Künstler und Architekten, der im amerikanischen Revolutionsheer gekämpft hatte. Den Grundstein des Capitols legte Washington am 18. September 1793 höchstpersönlich – im Schurz der Freimaurer.

Entsprechend finden sich im Stadtplan zahlreiche freimaurerische Symbole. Kritiker entdeckten gar einen „satanischen“ Plan. Ihr „Beweis“: das auf der Spitze stehende Pentagramm. Und tatsächlich bilden die vom Capitol ausgehenden Straßen die Schenkel eines Zirkels; ein rechter Winkel verbindet Weißes Haus und Capitol. Starke Indizien, wie es scheint. Doch wie immer bei Verschwörungstheorien knirscht die Konstruktion in den Details: Das Pentagramm beispielsweise ist eine Idee Thomas Jeffersons, der nicht etwa Freimaurer war, sondern sich von der deutschen Fürstenresidenz Karlsruhe und dem französischen Versailles inspirieren ließ. Auch dort führen die Straßen strahlenförmig zur Residenz; die Verbindungsstraßen bilden Dreiecke. Zudem blieb das Pentagramm in Washington unvollendet, wie sich über Google Earth unschwer erkennen lässt. Und das Capitol, Mittelpunkt der neuen Hauptstadt, wurde nicht nach den ursprünglichen Planungen fertig gebaut.

L’Enfant wurde nämlich schon nach wenigen Wochen entlassen, weil er gigantische Geldsummen verschleuderte, ohne zu einem Ergebnis gekommen zu sein. Das Parlament vergab seinen Job schließlich an einen Landvermesser namens Andrew Ellicott. Der jedoch konnte auf keinerlei Baupläne zurückgreifen, da sich L’Enfant geweigert hatte, Zeichnungen anzufertigen. Er habe den Entwurf im Kopf, hatte er den Kongress wissen lassen. Jahre später verwüsteten dann die Engländer die neue Hauptstadt, und wieder musste neu begonnen werden. Der von Washington gelegte Grundstein geriet in Vergessenheit.

Was für eine Bedeutung hat er für Dan Browns neuen Roman?

20. August 2009   |   Abgelegt in Henrik Eberle   |   Keine Kommentare »   |   


Das Dreieck, 33 und der Schottische Ritus

Von Henrik Eberle

Zu den wenigen Dingen, die der amerikanische Buchverlag vorab freigibt, gehört der Buchumschlag. Er zeigt das Capitol in Washington und ein rätselhaftes Siegel, auf dem ein Doppeladler mit Krone prangt, in seinen Klauen ein Banner. Doch die Devise ist nicht zu entschlüsseln, die Vergrößerung produziert einen nicht lesbaren Pixelhaufen.

Das Cover gibt uns dennoch einen wichtigen Hinweis. Wo sich in der klassischen europäischen Heraldik ein Herzschild befindet, steht ein Dreieck, in ihm die Zahl 33. Und dieses Dreieck verweist eindeutig auf die in den USA weit verbreitete Freimaurerei. Es symbolisiert den großen Baumeister, den Allmächtigen. Denn Gott ist dreifaltig, ist Vater, Sohn und Heiliger Geist. Und gottesfürchtig waren die Gründungsväter der USA durchaus: Sie appellierten bei der Unabhängigkeitserklärung 1776 an ihren Schöpfer und hielten es „für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden“. Gleichheit aber ist ein freimaurerisches Ideal. Organisiert in den sogenannten Logen suchten die Brüder nach Weisheit, Stärke und Schönheit – und das unabhängig von Stand und Geburt. So trafen sich in den Tempeln Fürsten und einfache Bürger, Christen und Juden, Schwarze und Weiße. Wer sucht, wird das Dreieck an der östlichen Wand eines jeden Freimaurertempels finden.

Und die 33? Die 33 ist eine selten benutzte symbolische Zahl, wie der umfassend gebildete Professor Langdon im Roman sehr schnell bemerken wird. Der 33. Grad der Weisheit ist der höchste, den ein Freimaurer nach Schottischem Ritus erreichen kann. Wer diesen Grad erreicht hat, ist in der Lage, den wahren Tempel
Salomos wiederzufinden, er kennt angeblich das Geheimnis vom „verlorenen Wort“.

Übrigens: Der Doppeladler weist in dieselbe Richtung. Die Gestalter des Covers benutzten den Adler in der Form, wie ihn der Souveräne General-Großinspekteur des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus heute noch trägt. Wohin also führt uns Dan Brown? In das Zeitalter der Aufklärung und der Freimaurerei oder in die Jahre des amerikanischen Bürgerkriegs?

20. August 2009   |   Abgelegt in Henrik Eberle   |   Keine Kommentare »   |   


Henrik Eberle

Henrik Eberle, geb. 1970, studierte ziellos Kirchen- und Kunstgeschichte sowie Betriebswirtschaft und Philosophie, um sich dann doch der Zeitgeschichte zu widmen. Seine fundierten Kenntnisse der neueren deutschen Geschichte kommen nicht nur den Studenten der Universität Halle zugute, sondern mündeten u. a. in die Veröffentlichungen DAS BUCH HITLER (zusammen mit Mathias Uhl), BRIEFE AN HITLER und WAR HITLER KRANK? (zusammen mit Prof. Dr. Hans-Joachim Neumann, erscheint im Oktober).

Mehr über die geheimnisvollen Studien von Robert Langdon, seinen neusten Fall sowie sämtliche Daten, Fakten und Hintergründe zum VERLORENEN SYMBOL in Kürze!