
Stefan Bauer, Lektor
Das Alles-Sehende Auge
Bei jedem Korrekturgang wünschte man sich ein Alles-Sehendes Auge. Erst recht bei einem Projekt wie dem VERLORENEN SYMBOL, das unter solchen Bedingungen und unter solchem Zeitdruck entsteht. Also wurde der Korrekturgang des Buches ebenso präzise geplant wie alle anderen Prozesse.
Schon im Vorfeld stimmten wir wichtige Grundregeln ab: Alle Übersetzer würden sich streng an die Dudenvorgaben und -empfehlungen der 25. Auflage halten. Details wurden regelmäßig in jeder der täglichen Besprechungsrunden abgestimmt.
Wolfgang Neuhaus und Marco Schneiders, die als erste durch den Text gingen, achteten zwar hauptsächlich auf Übersetzungsfehler und griffen, wo nötig, stilistisch in den Text ein. Dabei haben sie jedoch auch Rechtschreibfehler gefunden und getilgt.
Das magische oder das Magische Quadrat
Nach diesem Arbeitsvorgang gab es eine letzte Abstimmungsrunde, bei der wir uns final (na ja, fast final) auf einheitliche Schreibweisen von hauptsächlich romanspezifischen Begriffen einigten. Sollte es das Magische Quadrat oder das magische Quadrat heißen? Danach folgten ein paar Text-Suchläufe und Angleichungen am Computer.
Nur 48 Stunden
Anschließend hatte Gerhard Arth, das (Fast-)Alles-Sehende Auge, knapp 48 Stunden Zeit, den kompletten Text Korrektur zu lesen. Er ist einer unserer besten und schnellsten Korrektoren, ein Mann für Sondereinsätze. Außerdem hat er schon als Textredakteur gearbeitet, und wir hofften, von ihm auch in diesem dritten Durchgang noch wertvolle stilistische Hinweise zu erhalten. Die auch pünktlich eintrafen. Nun mussten Marco Schneiders, Helmut Pesch und ich erneut durch das Manuskript gehen, uns jede Korrektur, jede Anmerkung, jeden Hinweis anschauen und entscheiden, was umgesetzt werden sollte und was nicht. Nach diesem Korrekturgang wurde das MS zum Setzer gefahren. Für uns bedeutete das: 48 Stunden Pause (endlich!)
3 mal 33 + 3
Wir bekommen zwei Korrekturfahnen vom Setzer zurück. Zum ersten Mal halten wir keine Manuskriptseiten in Händen, sondern einen Umbruch, der uns schon erahnen lässt, wie das Buch einmal aussehen wird. Nun gilt es, sich noch einmal zu konzentrieren, noch einmal durch den Text zu gehen. Eine Fahne wird zwischen Marco, Helmut und mir aufgeteilt. Wir kontrollieren wichtige Schlüsselstellen des Romans, Zeilen- und Seitenumbrüche.
Parallel geht der zweite Fahnenabzug an 15 Lektoren des Verlags. Jeder bekommt ca. 50 Seiten zum Korrekturlesen – und hat exakt 3 mal 33 Minuten Zeit dafür. Auch dies gelingt. 768 Seiten innerhalb von 99 Minuten Korrektur gelesen – noch ein Rekord?
Für Marco, Helmut und mich heißt das allerdings: noch einmal 3 Stunden durch das komplette Manuskript gehen, uns alle Korrekturen, Anmerkungen und Fragezeichen der Lektoren ansehen und entscheiden, was umgesetzt wird.
Kein Ende (aber Hoffnung)
Und immer noch kein Ende. Die Korrekturfahne geht zurück an den Setzer, der noch alle Korrekturen ausführen muss. Auch dies erfordert Kontrolle. Vor Ort warten Gerhard Arth und Ruggero Leò, einer unserer Lektorenkollegen. Beide gehen erneut durch den Text und überprüfen, ob alle Korrekturen ausgeführt wurden und dabei keine neuen entstanden sind. Erst dann erfolgt die Freigabe.
DAS VERLORENE SYMBOL kann gedruckt werden, mit hoffentlich ganz wenigen Fehlern.